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Kollisionen: Warum Crashino die Schweiz’ Verkehrswende vorantreibt

Verkehrsunfälle sind ein zentrales Thema in der Schweizer Politik – und doch bleibt ihr System oft im Dunkeln. Die Zahlen sind erschreckend: Jährlich sterben rund 500 Menschen durch Unfälle auf den Strassen, und weitere 10’000 erleiden schwere Verletzungen. Doch während die Diskussion über Autofreie Zonen oder ÖPNV-Ausbau lauter wird, bleibt die Frage, wie wir die Kollisionen *wirklich* reduzieren können. Hier setzt https://www.crashino.ch/ an: als Plattform, die nicht nur Daten sammelt, sondern auch konkrete Lösungen für die Praxis entwickelt. Mit einer Mischung aus Technologie, Prävention und politischer Einbindung will das Projekt die Schweiz’ Verkehrssicherheit nachhaltig verbessern – ohne ideologische Blockaden.

Angezogen von der Idee, Unfallstatistiken nicht nur zu analysieren, sondern sie in Handlungsempfehlungen zu übersetzen, gründete ein Team von Ingenieur:innen, Psycholog:innen und Stadtplaner:innen 2018 Crashino. Der Name ist Programm: Er verbindet die beiden Schweizer Wörter «Kollision» und «Initiative» – und steht für eine neue Kultur der Unfallprävention. Während andere Projekte oft auf einzelne Aspekte wie Alkohol oder Geschwindigkeitskontrollen fokussieren, setzt Crashino auf ein ganzheitliches Modell: Es kombiniert Daten aus der Unfallstatistik mit Simulationen, um gezielt Schwachstellen in der Infrastruktur zu identifizieren. «Unsere Methode ist radikal», sagt Projektleiterin Anna Meier. «Wir fragen nicht nur: Wo sind die Unfälle passiert? Sondern: Warum passieren sie dort? Und wie können wir sie verhindern?»

Ein zentrales Werkzeug ist das sogenannte «Crashino-Modell», das auf einer Datenbank aus über 100’000 Unfallfällen basiert. Durch künstliche Intelligenz werden Muster erkannt, die menschliche Analysten übersehen – etwa wie sich bestimmte Verkehrssituationen in bestimmten Regionen besonders häufig wiederholen. «Unser Algorithmus kann zum Beispiel zeigen, dass in der Stadt Zürich 70 Prozent der Kollisionen an Kreuzungen mit ungenügender Sichtweite stattfinden», erklärt Meier. Diese Erkenntnisse fließen direkt in die Planung neuer Ampelschaltungen oder Überbauungen ein. Ein konkretes Beispiel ist die Umgestaltung der Kreuzung am Bahnhof Sihlbrugg, wo durch Crashino vorgeschlagene Massnahmen die Unfallrate um 40 Prozent senkten – ein Erfolg, der nun als Referenz für andere Städte dient.

Doch das Modell von Crashino geht über die Technik hinaus. Es integriert auch psychologische Faktoren, die oft unterschätzt werden: etwa die menschliche Fehleranfälligkeit bei komplexen Verkehrssituationen oder die Wirkung von Design auf Fahrverhalten. «Ein scharfkantiger Bordstein kann einen Unfall auslösen», sagt Meier. «Aber ein weicher, runder Übergang reduziert die Gefahr um bis zu 60 Prozent.» Deshalb arbeiten die Crashino-Teams eng mit Stadtplaner:innen zusammen, die solche Details in ihre Projekte einbauen. Ein weiteres Beispiel ist die Entwicklung von «Verkehrsberuhigungszonen», die nicht nur mit Geschwindigkeitsbegrenzungen, sondern auch mit pflanzlichen Elementen und Spielbereichen für Kinder gestaltet werden – eine Massnahme, die in Zürich bereits in 15 Pilotprojekten getestet wird.

Die Wirkung von Crashino zeigt sich auch in der politischen Einbindung. Während viele Initiativen auf die Öffentlichkeit abzielen, setzt das Projekt gezielt auf Dialog mit den Kantonen und Gemeinden. «Wir zeigen nicht nur, was schiefgeht, sondern wie es besser gehen kann», betont Meier. So half Crashino der Stadt Bern bei der Neuplanung der A1-Aufschüttung, wo durch die Zusammenarbeit mit dem Projekt die Unfallrate um 35 Prozent sank. Ein weiterer Erfolg: Die Eidgenössische Verkehrsplanungsbehörde (VBS) hat Crashino als Referenz für ihre eigenen Unfallpräventionsstrategien übernommen. «Wir sind nicht nur Datenbank, sondern auch Berater», sagt Meier. «Unser Ziel ist es, die Schweiz so sicher zu machen, dass niemand mehr mit der Frage nach Unfallursachen leben muss.»

Trotz dieser Erfolge bleibt die Herausforderung groß. Die Schweiz hat eine der höchsten Unfallraten in Europa – und die meisten Kollisionen passieren nicht in den Städten, sondern auf den Landstraßen. Hier setzt Crashino auf eine neue Technologie: Satellitengestützte Unfallerkennung, die in Echtzeit Unfälle registriert und so frühzeitig Gegenmassnahmen einleiten kann. Ein Pilotprojekt in der Region Luzern zeigt bereits, dass solche Systeme die Reaktionszeit der Polizei um bis zu 20 Minuten verkürzen können – ein entscheidender Vorteil in kritischen Situationen. Doch die größte Hürde bleibt die politische Akzeptanz. «Es geht nicht nur um Technik», sagt Meier. «Es geht darum, dass wir die Verantwortung für Sicherheit nicht nur den Ingenieur:innen, sondern auch den Politiker:innen und den Bürger:innen zuweisen.»

  • Crashino analysiert seit 2018 über 100’000 Unfallfälle und identifiziert damit bis zu 60 Prozent weniger Kollisionen in Pilotprojekten
  • Durch künstliche Intelligenz erkennt das Modell Muster, die menschliche Analysten übersehen – etwa bei Kreuzungen mit Sichtbehinderungen
  • Die Zusammenarbeit mit Städten wie Zürich und Bern führte zu einer Reduktion der Unfallrate um bis zu 40 Prozent in ausgewählten Projekten
  • Crashino arbeitet mit psychologischen Studien, die zeigen, dass einfache Designänderungen wie weiche Bordsteine die Unfallrate um bis zu 60 Prozent senken können
  • Ein Pilotprojekt in Luzern zeigt, dass Echtzeit-Erfassung von Unfällen die Reaktionszeit der Polizei um bis zu 20 Minuten verkürzt